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Geschichte der Villa Editha

Die Villa Editha wurde als herrschaftliches Einfamilienhaus für Maximilian Gädeke im klassizistischen Stil gebaut. Den Bauakten ist zu entnehmen, dass die Bauzeit nur ein Jahr betrug. (Baugenehmigung am 28.7.1887 - Gebühr übrigens nur 10 Mark) Die Abnahme durch die Baubehörde mit Benutzungserlaubnis erfolgte bereits am 15. Juni 1888.

historische Aufnahme des Bürogebäudes - der Villa Editha

Herr Gädeke hat gleichzeitig die heutige Rosa-Luxemburgstraße im Bereich zwischen der Bahnhofsstraße und der damaligen Weststraße (heute Siegfried Rädel Straße) errichten lassen und nach Fertigstellung der Stadt Pirna übereignet. Eine Auflage war, das Gottleubaufer zu befestigen. Ursprünglich gehörte das Nachbarhaus zu der Villa Editha. Es war der Pferdestall und Kutschenunterstand mit Wohnungen für das Hauspersonal. Herr Gädeke hat wohl auch die anderen Häuser auf der Bismarckstraße (heutigen Rosa-Luxemburgstraße) gebaut, soweit sie vor 1900 errichtet wurden.

Bereits 1891 wurde das Grundstück mit der Villa Editha und dem angrenzenden Nebengebäude an Herrn Friedrich Bruno Georg Ketzscher verkauft. Herr Gädeke wohnte weiter in der Bismarckstraße 6 in einem seiner verbliebenen Häuser.(im Adressbuch von 1920 als Privatus geführt.)

Herr Ketzscher hatte am 18. Dezember 1876 das Pirnaer Bankhaus Ketzscher & Andrae gegründet, das seinen Sitz in der Breitestr. Nr. 369 (heute wohl Breitestr. 2) hatte. Dieses Bankhaus muss wohl sehr erfolgreich gewesen sein, so dass er nach 15 Jahren die Villa Editha erwerben konnte. Das Bankhaus wurde übrigens zum 1.1.1907 von der Allgemeinen Deutschen Credit Anstalt übernommen, einer der damals größten deutschen Bank, die vorwiegend in Sachsen tätig war und durch Übernahme zahlreicher Bankhäuser ständig gewachsen ist. Sie wurde im Bereich der DDR durch Befehl Nr. 01 der Sowjetischen Militäradministration vom 23.07.1945 gemeinsam mit allen anderen Banken aufgelöst.

Herr Ketzscher bzw. nach seinem Tod seine Familie war Eigentümer bis zum Jahre 1961. Im Dezember 1961 wurde das Haus volkseigen und dem Rat der Stadt Pirna als Rechtsträger zugewiesen. Soweit mir bekannt, wurden keine Restitutionsansprüche nach der Wiedervereinigung geltend gemacht.

Herr Gaedecke und die Familie Ketzscher haben große Summen in die noch heute bestehende Uferbefestigung der Gottleuba investiert. Außerdem hat Herr Ketzscher sich in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg um Anliegerkosten für die Weststraße mit der Stadt Pirna gestritten, da man nicht einsah, sowohl für die Bismarckstraße (heute Rosa-Luxemburg-Straße) als auch die Weststraße (heute Siegfried-Rädel-Straße) zahlen zu müssen. Dies ist verständlich, da das Grundstück damals keinen Zugang zur Weststraße hatte. Herr Ketzscher hatte sich im Rahmen des Baus der Weststraße im Jahre 1912 (Genehmigung vom 30.10.1912) eine Einfriedung des Grundstücks erlauben lassen und die Mauer, die heute zum großen Teil noch steht, errichtet. Der Ausgang des Streites über die Anliegergebühren für die Weststraße ist mir übrigens nicht bekannt.

Soweit bekannt, hat Herr Gädeke bis zu seinem Tode am 12. Januar 1931 in Pirna gelebt. Durch die Inflation in den zwanziger Jahres des 20. Jahrhunderts soll sein ehemals stolzes Vermögen sich stark verkleinert haben.

Nach dem Tod von Herrn Ketzscher, dessen Todesdatum ich noch nicht ermittelt habe, wurde das Grundstück von seiner Ehefrau bis zu deren Tod (vermutlich 1938 oder 1939) weiterbewohnt, während die beiden Töchter wohl nach Eheschließung auszogen. Eine Tochter hat den in Pirna damals sehr bekannten Ratsherrn Justizrat Dr. Flachs geheiratet. Die andere Tochter verzog nach Dresden.

Ausweislich der Pirnaer Adressbücher eröffnete ein Hals-Nasen-Ohrenarzt, Herr Dr. med. Ernst Bruch in den Räumen seine Praxis, von dem ein Fachbuch noch heute im Internet nachweisbar ist.

Ab 1939 bewohnte Herr Dr. Moesta die Villa. Er hat wohl die Praxisräume von Dr. med. Ernst Bruch übernommen. Er hat bis 1951 gelebt und ist auf dem Pirnaer Friedhof begraben. Im Jahre 1946 beschwerte er sich lt einem in der Bauakte befindlichen Schreiben über die mangelnde Eignung der Villa Editha zu Wohn- und Praxiszwecken. Grund für die Beschwerde war wohl eine zu dichte Bepflanzung, die die Räume zu stark verdunkelten.

In den Kriegsjahren diente das Haus sowie das immer noch dazugehörige Nebengebäude wohl als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien und war stark überbesetzt, z.B. ist mir bekannt, dass eine sechsköpfige Familie in einem einzigen recht kleinen Raum mit Dachschrägen im zweiten Obergeschoss untergebracht war und dies als Privileg empfand. In den Bauakten finden sich aus dem Jahre 1942 auch Umbaugesuche für die Einrichtung von "Behelfswohnungen".

Leider ließ sich noch nicht ermitteln, warum Herr Gädeke oder Herr Ketzscher das Haus "Villa Editha" nannte. Seine beiden Ehefrauen und seine 5 Töchter trugen andere Namen. Auch die Ehefrau und die beiden Töchter der Familie Ketscher hießen nicht "Editha". Schließlich war das Gebäude seit Dezember 1951 Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort unter dem Namen Ernst Thälmann. Die Einrichtung wurde in den 90 Jahren des 20. Jahrhunderts geschlossen. Das Gebäude stand dann mehrere Jahre leer.

Im Dezember 1999 haben ein Bauunternehmer und ich die Villa Editha zum Zwecke der Sanierung von der Stadt abgekauft. Heute handelt es sich um eine Wohnungseigentumsanlage. Das Nebengebäude war zuvor als separates Grundstück von der Stadt Pirna herausvermessen und anderweitig verkauft worden. Nachfolgend finden Sie aus der Umbauzeit einige Fotos. Für weitergehende Informationen oder Anekdoten zur Geschichte des Hauses wäre ich Ihnen dankbar.

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Hinweis: Bilder anklicken zum Vergrößern

Der Stuck wurde lange Zeit nicht geschätzt, deshalb wurde der Stuck für Rohrdurchbrüche beschädigt.

Mühsam wurden mehrere Farbschichten entfernt, um die ursprüngliche Bemalung freizulegen.

Die Originalfarben wurden aufgefrischt und nur dort neu gemalt, wo durch Einbauten aus DDR-Zeiten keine Farbreste mehr vorhanden waren.

Detail einer weiteren Decke im Büro. Hier wurden die Farben kaum nachgemalt, so dass Fehlstellen sichtbar bleiben

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Kurze Informationen zum Büro

Bürohistorie:

  • Ernennung zum Notar:
  • 15. Juli 1991

Die Amtsräume befanden sich zunächst auf Schloss Sonnenstein. Von Februar 1993 bis April 2001 befand sich das Büro im Hause Rottwerndorfer Str. 31, 01796 Pirna, bevor wir in das Erdgeschoss der Villa Editha umgezogen sind.

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